
Monthly Archive for Februar, 2005

.. so wirbt der Spiegel im Radio für seine aktuelle Ausgabe.“Wie Billig-Polen deutsche Arbeitnehmer aus ihren Jobs verdrängen”
Nächste Woche:
- “Wie deutsche wieder arisch werden”
- “Wie man Populismus nicht allein den Lass-mich-dumm-bleiben-Blättern überlässt”
- “Wie wir neuen Lebensraum ist Osten schaffen”
- “Das Internet ist schuld an schlechter Musik in den Charts”

Es gibt ja so Dinge, die haben sich eingebürgert und sind leider nicht mehr aus den Menschen rauszukriegen. Und da gibt es eine Sorte von Menschen, die scheinen da ganz besondern anfällig für zu sein: Sportfans. Davon abgesehen, dass sich dieses Fan-sein in den allermeisten Fällen in einer Art & Weise abspielt, die für mich nun wirklich nicht nachvollziehbar ist, gibt es eine Marotte, die so richtig ekelhaft ist. Ich rede von diesem unsäglichen, widerlichen “Wir haben gewonnen” (sic!). Wahlweise auch “Diesmal haben wir es denen mal so richtig gezeigt”. Vorwiegend kann diese Selbsteinbeziehung in die Leistungen anderer bei Mannschaftssportarten aller Art beobachtet werden…
Geht’s noch? Seit wann ist denn der besoffen-blökende Fan in seinem ranzigen Fantrikot an dem Misz- oder Erfolg der jeweiligen Mannschaft beteiligt?
Mit einmal heiszt es also wieder “wir”. Dabei haben “wir” uns doch dieses “wir” gerade erst abgewöhnt. Schlieszlich waren nicht “wir” Schuld am ersten & zweiten Weltkrieg sondern “die”. Nämlich die anderen, für dessen Handeln man ja schlieszlich nichts kann. Und doch ist dieses “wir” dann doch ganz nützlich, wenn man sich damit mit fremden Heldentaten schmücken kann. Na Bravo.
“Kettcar – Hamburg” Mit diesem Worten begann gestern Abend das Konzert der groszartigen Kettcar(s) im Potsdamer Lindenpark.
Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich dem Charme dieser Band erlegen bin. Jahrelang kannte ich sie schon, habe sie ein paar Mal live geseh’n, ab und zu mal was von Ihnen gehört & gelesen. Nie hatte es gefunkt. Aber jetzt. Nachdem ich das Album “Du und wie viel von deinen freunden”(2002) gehört habe, hat’s auch mich erwischt. Danke Linda! Eine Band in deren Ausstrahlung soviel Ehrlichkeit & Authentizität mitschwingt, habe ich lange nicht mehr erlebt. Tocotronic haben diese Bodenverbundenheit schon vor einigen Jahren abgelegt. Aber zum Konzert:
Bernd Begemann (zusammen mit Der Befreiung) war ein interessanter Vorakt. Bisher war mir dieser Mensch nur akustisch bekannt. Zusammenfassung: Kurzweiliger Entertainer.
Kettcar wirkten locker und zufrieden. Der Lindenpark war voll und die Stimmmung war schon bei Bernd Begemann auszerordentlich gut. Trotz der Grösze des Lindenparks wirkte das Konzert fast ein kleinwenig gemütlich. Die Bühnennähe und die ausgelassen wirkenden Bandmitglieder sorgen für eine persönliche Atmosphäre.
Gespielt wurden etwa 50 % Lieder vom neuen Album, welches am 07.03 erscheint. Nach zwei Zugaben und allen erwarteten Liedern war das Konzert vorbei. Die Menge löste sich langsam und sichtlich zufrieden auf.
Alles in allem ein schönes Konzert in meiner alten Heimat Potsdam. Nur schade, dass ich kaum Leute von ‚damals’ wieder sah.
- Wie gerne würde ich auf der Bühne stehen, in einer Gitarrenband spielen und bestenfalls noch Sänger sein?
- Wie gern würde ich Radiomoderator sein und die ganze Zeit von groszartiger Musik berichten?
- Wie gern würde ich als DJ in einem Club stehen und die Leute zu meinen Platten tanzen sehen?
- Wie gern hätte ich in der IT-Branche gearbeitet als es noch nicht jeder karrieregeile Bock getan hat?
- Wie gern wäre ich MAC-User?
- Wie gern wäre ich auch nur halb so konsequent, ehrlich, authentisch und damit so erfolgreich wie er?
Man(n), der Kerl hat’s einfach drauf! ..nothing more to say..“Vielleicht übertreibe ich ja mit meinen Gedanken zu Spreeblick, vielleicht schiesz’ ich über’s Ziel hinaus. Aber fuck, es macht einfach Spasz.”
Nunja.. ich hatte ja nun schon ewig Probleme mit meinem Handy und nun endlich hatte ich mich entschlossen das Teil zu Siemens zu schicken. Für diese Zeit kramte ich das alte (Kult!-)Handlich meiner Schwester “Siemens S10D” raus. Ein groszartiges Stück technischen Fortschritts! Gröszer als jede Hosetasche (OK, bemitleidenswerte Baggy-Pants-Hosen-Träger hätten eine reelle Chance), mit 4-Farbdisplay, ohne Vibrationsalarm und mit mitleidigen Blicken in der Straszenbahn beim telefonieren. Und das Beste: Ich war zufrieden damit. Nirgends nahm ich das Handy mehr mit. Immer lag es auf dem Schreibtisch und wenn ich es doch bei hatte, lag ganz ganz tief unten in meiner Tasche. Zwei mal am Tag ein Blick drauf geworfen und das war’s… hey, das funktionierte.. meine Welt ging nicht unter, ich lebte so glücklich wie zuvor. In meiner Hosentasche war wieder Platz und in meinem Kopf nicht das ungute Gefühl einer andauernden Genitalbestrahlung. Ich hatte mich schon fast damit angefreundet das reparierte Handlich bei ebay zu verkaufen und fortan auf Kultigkeit bedacht nur mit meiner tollen Telefonzelle rum zu rennen..

OK OK! Ich habe meine Lektion gelernt! Nachher hol’ ich mein repariertes Handlich ab und ab morgen werde ich wieder genitalbestrahlt durch die Gegend hüpfen und mir dabei versuchen in den Arsch zu beiszen. .. ARGH!
da musz ich erst beim spreeblick über den “Ein-Euro-Abend ohne Kuttner†lesen um auf dich hier zu stoszen alex.
Güsze aus Potsdam (wer bin ich?)
.. und ich weisz wirklich nicht wer das ist…
Johnny, der Spreeblick.com-Blogger, vertreibt also bald Nickies .. über die Motive und Preise wird noch spekuliert… erste Fotos hier
Habe eben den Film “Napola†gesehen. Als erstes kann ich wohl sagen, dass mich dieser Streifen sehr bewegt hat. Zum Glück stellte niemand die Frage wie ich den Film fand. Sie ist schwer zu beantworten. Ich denke, ich kann so einen Film nicht wirklich gut finden. Auch weil er Geschichte darstellt, mit der zurechtzukommen alles andere als einfach ist. Wie viele dieser Filme über die Zeit des Nationalsozialismus ruft auch dieser Film den Abschaum und die Wut hervor, die ich gegen Menschen hege, die versuchen die geschehenen Tatsachen zu relativieren oder gar zu bestreiten. Diese Wut findet leider keinen Weg nach drauszen. Wie gern würde ich jedem Neonazi persönlich die Gurgel umdrehen? Wieso gibt es Menschen in dieser Scheiszwelt die solche Gedanken voller Überzeugung immer noch hegen können?
Davon abgesehen hat der Film einige gefährliche Schwachstellen wie ich finde. Mit keinem Wort werden die Verbrechen an Millionen Juden, Konzentrationslager oder der real stattfindende Krieg erwähnt. Der Film bleibt die gesamte Spielzeit über bei der Fokussierung auf die Napola-Schüler und versucht dem Zuschauer die Grauenhaftigkeit der Erlebnisse eines der Schüler darzustellen. Ein Einzelschicksal eines Deutschen wird dargestellt, dass man fast den Rahmenkontext vergessen möchte und das arme deutsche Opfer bedauert. Szenen, die versuchen die Zuschauer eine Art von Mitfiebern zu vermitteln (speziell die Box-Szenen) oder welche verschiedene Handlungen heroisieren (Szene des Ertrinkens). Eine fürchterliche Szene. Man fühlt sich an den sterbenden Leonardo DiCaprio in Titanic erinnert.
Ich komme aus dem Film; bin erschüttert; bin verstört; bin wütend und ratlos. Was soll mir der Film gesagt haben? Der Film lässt den sehr gefährlichen Schluss zu, dass dieser Terror nicht bekämpft werden konnte. Das jeder Kampf gegen dieses Regime zwecklos war und entlässt somit alle die aus der Verantwortung, die nichts gegen dieses ekelhafte Kapitel der Menschheitsgeschichte getan haben. Ich muss gleich kotzen!
Nach dem Film beobachtete ich eine Gruppe von ca. 7 Menschen, die aus dem Saal kamen, sich betreten ansahen, kurz ein-zwei Sätze zum Film verloren und dann nach einem offensichtlichen befreiendem “Naja..” lächelnd aus dem Kino gingen. Schöne neue Zeit..!


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