Habe eben den Film “Napola†gesehen. Als erstes kann ich wohl sagen, dass mich dieser Streifen sehr bewegt hat. Zum Glück stellte niemand die Frage wie ich den Film fand. Sie ist schwer zu beantworten. Ich denke, ich kann so einen Film nicht wirklich gut finden. Auch weil er Geschichte darstellt, mit der zurechtzukommen alles andere als einfach ist. Wie viele dieser Filme über die Zeit des Nationalsozialismus ruft auch dieser Film den Abschaum und die Wut hervor, die ich gegen Menschen hege, die versuchen die geschehenen Tatsachen zu relativieren oder gar zu bestreiten. Diese Wut findet leider keinen Weg nach drauszen. Wie gern würde ich jedem Neonazi persönlich die Gurgel umdrehen? Wieso gibt es Menschen in dieser Scheiszwelt die solche Gedanken voller Überzeugung immer noch hegen können?
Davon abgesehen hat der Film einige gefährliche Schwachstellen wie ich finde. Mit keinem Wort werden die Verbrechen an Millionen Juden, Konzentrationslager oder der real stattfindende Krieg erwähnt. Der Film bleibt die gesamte Spielzeit über bei der Fokussierung auf die Napola-Schüler und versucht dem Zuschauer die Grauenhaftigkeit der Erlebnisse eines der Schüler darzustellen. Ein Einzelschicksal eines Deutschen wird dargestellt, dass man fast den Rahmenkontext vergessen möchte und das arme deutsche Opfer bedauert. Szenen, die versuchen die Zuschauer eine Art von Mitfiebern zu vermitteln (speziell die Box-Szenen) oder welche verschiedene Handlungen heroisieren (Szene des Ertrinkens). Eine fürchterliche Szene. Man fühlt sich an den sterbenden Leonardo DiCaprio in Titanic erinnert.
Ich komme aus dem Film; bin erschüttert; bin verstört; bin wütend und ratlos. Was soll mir der Film gesagt haben? Der Film lässt den sehr gefährlichen Schluss zu, dass dieser Terror nicht bekämpft werden konnte. Das jeder Kampf gegen dieses Regime zwecklos war und entlässt somit alle die aus der Verantwortung, die nichts gegen dieses ekelhafte Kapitel der Menschheitsgeschichte getan haben. Ich muss gleich kotzen!
Nach dem Film beobachtete ich eine Gruppe von ca. 7 Menschen, die aus dem Saal kamen, sich betreten ansahen, kurz ein-zwei Sätze zum Film verloren und dann nach einem offensichtlichen befreiendem “Naja..” lächelnd aus dem Kino gingen. Schöne neue Zeit..!


Hallo alex,
ich stimme mit dir überein: Der Film hat mich ebenfalls sehr bewegt. Woüber ich anders denke, ist die Feststellung, der Film würde nicht genügend Verbrechen thematisieren. Der Titel lautet gerade deswegen nicht “Nationalsozialismus” oder “Zweiter Weltkrieg”, weil dies so umfassend weder zu behandeln, noch zu begreifen ist. Es hilft wohl nur, stets einzelne Episoden der Zeit aufzunehmen und sich so sein Bild zu machen. Ein Zuschauer kennt (wenn er diesen Film sieht) oft den geschichtlichen Hintergrund und kann das Dargestellte darum auch in den entsprechenden Kontext einordnen. Meiner Meinung nach werden durch Weglassen die anderen Verbrechen nicht verharmlost.
Ich denke, der Film versucht einen einzelnen Aspekt des Nationalsozialismus: “Die Verführung des Volkes” aufzugreifen und diesen an Hand der Jugendlichen zu verdeutlichen. Wie erschütternd es für die naiven Jungen ist, als sie merken, dass sie reingelegt wurden, kommt durch die beiden hauptdarstellenden Jugendlichen gut zu Geltung, finde ich.
Einen interessanten Text zum Film hab ich hier gefunden.
Tschüsz
Ricardo.