Wie vor wenigen Tagen schon gebloggt ergab es sich, dass ich Freikarten für Rainald Grebe in der Bar Jeder Vernunft in Berlin gewann. Montagabend war es also soweit. Ich fühlte mich wie immer etwas komisch, wenn ich mich in diesem Teil Westberlins aufhalte. Er hat so wenig mit dem Berlin zu tun, das ich kenne und liebe.
Ich betrat das erste Mal das Zelt der Bar jeder Vernunft. Überraschenderweise gab es 20 Minuten vor planmäszigem Vorstellungsbeginn kaum noch Plätze. So saszen der Herr Roth und ich am äuszeren Rand und hatten nur beschränkte Sicht auf die Bühne. Dafür war die Sicht auf das Publikum umso besser. Um es vorweg zu nehmen. Mich hat er nicht überzeugt. Auch wenn mich Herr Grebe so einige Male zum Schmunzeln brachte – wirklich Lachen konnte ich nicht. Die Vorstellung war halt witzig – so witzig, wie es eben witzig ist, wenn man den ganzen Abend absurde Reime aneinanderhängt. Ich kann schwerlich sagen woran genau es lag; sein Humor ist mir grösztenteils fern. Wenn auf der Bühne eine Klingel betätigt wird, kommt ein Schwarzer auf die Bühne und bedient die auf der Bühne Anwesenden. Daüber amüsiert sich das Publikum. Klischees werden bedient, einstudierte Witze vorgeführt. Musikalisch ist Herr Grebe spitze. Er weisz seine Stimme einzusetzen und jeder Griff in die Tasten des Flügels sitzt perfekt. Das Publikum ist, wie die Getränke- und Eintrittspreisen vermuten lassen, grösztenteils finanziell gut versorgt und lacht intellektuell überfordert über Witze zum Thema Sozialabbau.
Da auf der Bühne aus meinem Blickwinkel nicht viel zu sehen ist, betrachte ich das Publikum. Lauter Gestalten, die mir, in wohlwollender Umschreibung, unsympathisch sind.
Typ Chefredakteur: dick, mit gelockt-gegeltem Haar, weiszem Hemd und dickrandiger schwarzen Brille, der mit schmierigem Lächeln seine junge Freundin Gassi führt.
Der Schwiegersohn, der seinen Schwiegereltern mal was kulturelles bieten will und sich bei jeder Poente versichernd zu seinen Begleitern umdreht um zu zeigen wie toll doch alles ist ohne wirklich zu wissen worum es auf der Bühne eigentlich geht. Die Schwiegereltern können mit dem ganzen Abend eh’ nichts anfagen – können das aber weniger gut überspielen wie viele andere im Zelt.
In der ersten Reihe sitzen natürlich zwei ältere Damen, die schon laut losgackern, wenn grad mal alles Still ist und im Grunde gar nichts passiert. Da wird sich von einem Lachkrampf zum anderen gehangelt, um möglichst wenig über die Witzlosigkeit der Scherze auf der Bühne nachdenken zu müssen.
Ein interessanter, aber kein guter Abend.