Monthly Archive for September, 2005

keine atempause, geschichte wird gemacht

Mag wer heut abend aufs Fehlfarbenkonzert ins Frannz gehen?
19 Uhr gehts los, hab zwei Freikarten.
Wer mir glaubwürdig macht, dass er wirklich heute Abend dorthin geht und mir ne Mail (alex (dings) toco1 (bums) de) schreibt, hat reelle Chancen die Freikarten abzugreifen.
Mein Tinitus vom letzten WoE (AstraKid, Klee oder the (int.) noise conspirancy sind schuld) erlaubt es mir nicht dieses Konzert selber wahrzunehmen.

Viel Glück!

"die eichel von hans eichel, war füher voller speichel"

Wie vor wenigen Tagen schon gebloggt ergab es sich, dass ich Freikarten für Rainald Grebe in der Bar Jeder Vernunft in Berlin gewann. Montagabend war es also soweit. Ich fühlte mich wie immer etwas komisch, wenn ich mich in diesem Teil Westberlins aufhalte. Er hat so wenig mit dem Berlin zu tun, das ich kenne und liebe.
Ich betrat das erste Mal das Zelt der Bar jeder Vernunft. Überraschenderweise gab es 20 Minuten vor planmäszigem Vorstellungsbeginn kaum noch Plätze. So saszen der Herr Roth und ich am äuszeren Rand und hatten nur beschränkte Sicht auf die Bühne. Dafür war die Sicht auf das Publikum umso besser. Um es vorweg zu nehmen. Mich hat er nicht überzeugt. Auch wenn mich Herr Grebe so einige Male zum Schmunzeln brachte – wirklich Lachen konnte ich nicht. Die Vorstellung war halt witzig – so witzig, wie es eben witzig ist, wenn man den ganzen Abend absurde Reime aneinanderhängt. Ich kann schwerlich sagen woran genau es lag; sein Humor ist mir grösztenteils fern. Wenn auf der Bühne eine Klingel betätigt wird, kommt ein Schwarzer auf die Bühne und bedient die auf der Bühne Anwesenden. Daüber amüsiert sich das Publikum. Klischees werden bedient, einstudierte Witze vorgeführt. Musikalisch ist Herr Grebe spitze. Er weisz seine Stimme einzusetzen und jeder Griff in die Tasten des Flügels sitzt perfekt. Das Publikum ist, wie die Getränke- und Eintrittspreisen vermuten lassen, grösztenteils finanziell gut versorgt und lacht intellektuell überfordert über Witze zum Thema Sozialabbau.
Da auf der Bühne aus meinem Blickwinkel nicht viel zu sehen ist, betrachte ich das Publikum. Lauter Gestalten, die mir, in wohlwollender Umschreibung, unsympathisch sind.
Typ Chefredakteur: dick, mit gelockt-gegeltem Haar, weiszem Hemd und dickrandiger schwarzen Brille, der mit schmierigem Lächeln seine junge Freundin Gassi führt.
Der Schwiegersohn, der seinen Schwiegereltern mal was kulturelles bieten will und sich bei jeder Poente versichernd zu seinen Begleitern umdreht um zu zeigen wie toll doch alles ist ohne wirklich zu wissen worum es auf der Bühne eigentlich geht. Die Schwiegereltern können mit dem ganzen Abend eh’ nichts anfagen – können das aber weniger gut überspielen wie viele andere im Zelt.
In der ersten Reihe sitzen natürlich zwei ältere Damen, die schon laut losgackern, wenn grad mal alles Still ist und im Grunde gar nichts passiert. Da wird sich von einem Lachkrampf zum anderen gehangelt, um möglichst wenig über die Witzlosigkeit der Scherze auf der Bühne nachdenken zu müssen.

Ein interessanter, aber kein guter Abend.

und das was wahr ist fuer immer da ist

Freitagabend, die Popkomm ist in der Stadt. In vielen Clubs spielen in dieser Nacht junge und unbekannte Bands. Eine weniger unbekannte Band spielt ebenfalls dort: Klee geben ein Radiokonzert für EinsLive in der Nordrheinwestfälischen Landesvertretung. Zugegebenermaszen nicht gerade die bekannteste Location, wenn es um gemütliche Popkonzerte in Berlin geht. Aber nicht nur deshalb war dieses Konzert ganz anders als andere Konzerte. Eintritt erhält nur, wer auf der Gästeliste steht und eine ausgiebige Leibesvisitation über sich ergehen lässt. Kommt man trotzdem r(h)ein, erhält jeder Gast 4 Wertmarken (“WDR Sommerfest”), die sich an einer kleinen Bar im Lichthof des Gebäudes gegen Bier, Kola und Wasser eintauschen lassen. Es gibt natürlich Kölner Bier. Im Keller befindet sich eine kostenlose Garderobe sowie Toiletten, die in dieser R(h)einheit nur selten auf Populärmusikkonzerten zu finden sind. Der Konzertsaal befindet sich im Erdgeschoss und würde 350 Leute fassen. Eng wird es jedoch nicht – so viele sind gar nicht da. Als Vorband treten AstraKid auf, die eigentlich “The AstraKid” heiszen müssten. Sie sind gut und das Publikum honoriert das. Pünktlich, nach den 22Uhr-Nachrichten auf EinsLive, stehen Klee zum letzten Konzert dieses Jahres auf der Bühne. Es ist wie jedes Klee-Konzert: entzückend, verzaubernd, schrill, komisch und schwelgend schön. Eine gutgelaunte Band spielt die besten Songs der beiden Klee-Alben und zum Schluss noch einige Lieder von Ralley, der Vorgängerband von Klee, die sich nach einem schweren Verkehrsunfall im Tourbus und darauf folgender Pause umbenannte.

Nach Ende des Konzertes düse ich zum Postbahnhof, wo an diesem Abend The (int.) Noise Conspirancy den Abschluss des Sallys Sounds – Festivals begehen. Das Postbahnhof ist überfüllt und so komme ich trotz PopKomm-vip-Ticket (thx 2 tunespoon) nur verspätet und gegen 5 € Eintritt rein. Die Noise Conspirancy ist energetisch und laut. Später gibt’s noch Disko. Ich schaue Thees Uhlmann beim ausgelassen Tanzen zu, fahre später mit dem Rad nach Hause und erwache am nächsten Morgen mit einem Tinituspfeifen im linken Ohr.

das beste fuer alle

Anders als der Spreeblick-Johnny bin ich mit dem Ergebnis der Wahl nicht zufrieden. Zugegeben, mir fällt auch kein denkbar-realistisches Ergebnis ein, welches mich diesbezüglich wirklich befriedigt hätte. Egal welche Koalition es nun geben wird, der Kurs ist neoliberal. Arbeit wird immer mehr im Mittelpunkt des Daseins ücken, Freizeit ein Luxus der Mittellosen sein. Arbeitslose werden weiterhin arbeitslos bleiben, als faul gelten und nichts vom gesellschaftlichen Reichtum haben. Menschen in Arbeit werden immer mehr arbeiten, Bildungsausgaben werden weiterhin hinter denen für üstung u.ä. zuückbleiben. Bürgerrechte werden weiter eingeschränkt und der Kampf Krieg gegen Terror wird weiterhin menschenverachtende Stilblüten treiben und Terrorismus nicht eindämmen. Verfolge Erdenbürger werden weiterhin nahezu keine Chancen haben, in Deutschland, immer noch eines der reichen Länder der Welt, Asyl zu bekommen und Deutschland wird weiterhin am Hindukusch verteidigt.

“In der modernen Gesellschaft wird davon ausgegangen, dass der Habenmodus der Existenz in der menschlichen Natur verwurzelt und daher praktisch unveränderbar sei. Diese Idee liegt dem Dogma zugrunde, der Mensch sei von Natur aus faul und passiv und würde weder arbeiten noch sonst etwas tun, wenn ihn nicht materielle Anreize dazu verlocken bzw. Hunger oder Angst vor Strafe ihn dazu antrieben. Dieses Dogma wird allgemein akzeptiert und es bestimmt unsere Erziehungs- und unsere Arbeitsmethoden. Aber es ist wenig mehr als ein Ausdruck des Wunsches, den Wert unseres gesellschaftlichen Arrangements zu beweisen, indem man ihnen bescheinigt, dass sie den Bedürfnissen der menschlichen Natur entsprechen. Den Angehörigen vieler verschiedener Kulturen der Vergangenheit und der Gegenwart würde die Theorie von der angeborenen menschlichen Selbstsucht und Faulheit ebenso phantastisch erscheinen wie dessen Gegenteil uns.”

(Erich Fromm)

take it or leave it

Das ist Rainald Grebe. Und der tritt am Montag in der Bar jeder Vernunft auf. Und ich hab eben auf Radio1 Freikarten dafyr gewonnen. Und wer mir als Erstes ne Mail schreibt, darf mich begleiten. (alex ]aed[ toco1 ]dott[ de)

[update]: Herr Roth begleitet mich.

scheiss auf deutsche texte …

scheiss auf deutsche texte … – Der Sampler

  1. simsalonauten – delbo
  2. zombie – kante
  3. rettet die wale – gustav
  4. helden – david bowie
  5. von nun an ging’s bergab – hildegard knef
  6. an einem sonntag im april – element of crime
  7. ja – tocotronic
  8. wäre er echt – kettcar
  9. warmer abend – kante
  10. respekt – die sterne
  11. parklied – les garcons
  12. lied gegen die schwerkraft – peter licht
  13. hey du – beatsteaks
  14. stella maris – einstürzende neubauten
  15. ich bin nackt – stereo total
  16. und dann schlägt dein herz – olli schulz & der hund marie
  17. wilhelm, das war nichts – tomte
  18. der traum ist aus – rio reiser (ddr-konzert 1988)
  19. für die linke spur zu langsam – tom liwa
  20. ich hol’ dich hier raus – anajo
  21. du lässt dich gehen – charles aznavour
  22. deutschlands mauern fallen – das bierbeben
Cover [PDF]
CD [PDF]

ich sagte dazu alles klar

Der Herr Roth hat seine Heimseite gerelauncht. Herr Roth benutzt nun Wordpress, was ja nun wirklich eine Feine Sache ist und mich daüber nachdenken lässt, es ihm gleich zu tun. Gefällt mir sehr, _das_ Blog. Schönes Design, durchdachter Inhalt – ‘nisch schlescht fürn diesl’ respekt!

ich verabscheue euch wegen eurer kleinkunst zutiefst

Fazit des TV-Duells:
Euch Spacken wähl ich nicht!

stay out of trouble

Als ich am Wochenende auf meinen Zug wartete, sprach mich eine mir unbekannte Person an und erzählte mir folgendes:

“Hey, hier hängen ja überall die NPD Plakate rum. Willst Du wissen wie man die am besten runterreiszt?”
Bevor ich überhaupt antworten konnte fing er schon an zu erzählen:
“Die sind mit Kabelbindern jeweils oben und unten festgemacht. Am besten macht sich da natürlich eine Kneifzange aber es geht auch ohne, weil man die ja nicht immer dabei hat. Dann musst Du versuchen mit Deiner Hand unter die Schlaufe des Kabelbinders auf der Vorderseite des Plakates zu kommen und kräftig daran ziehen. Die Kabelbinder sind nicht sonderlich stabil und gehen schnell kaputt. Nun kannst Du das Plakat mit einem weiteren Ruck vom Laternenmast ziehen und zu Boden reiszen. Es ist wichtig das Plakat auf dem Boden kaputt zu machen. Das geht am schnellsten wenn man es in der Mitte knickt und rauf tritt. Die Pappe ist so spröde, dass sie sofort in zwei ist. Das ist wichtig um eine Wiederverwendung des Plakates auszuschlieszen. Natürlich sollten die Pappen der örtlichen Wertstoffsammelstelle zugeführt werden um daraus sinnvolle Dinge wie Geschichtsbücher machen zu können. Besonders leicht gehen die Plakate nach Regengüssen ab, wenn die Pappe richtig durchgeweicht ist. Wenn das Plakat zu hoch hängt hilft ein Apfelpflücker oder auch eine Harke, um die Plakate runterzuholen. Die hängen meist nicht sonderlich fest so weit oben und kommen schnell runter.”
Auszerdem erzählte er mir noch, dass ein Beschmieren der Plakate wenig Sinn hätte, da die Plakate ja weiterhin als Plakate der NPD zu erkennen seien und somit, egal wie, immer noch öffentlichkeitswirksam seien. Er erzählte noch mehr aber das will ich hier nicht weiter ausführen, sonst könnte es noch als Aufforderung zu Straftaten missverstanden werden.




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