Der Norweger ist Ästhet durch und durch. Das sieht man schon daran, dass er keine Autos baut. Auszerdem haben die Norweger eine Cafékultur, die kaum Wünsche offen lässt. Selten finde ich in Berlin oder anderswo so ‘heimelige’, gemütliche und stilvolle Cafés, wie ich sie in Trondheim oder Bergen fand. Nein, es würde sich dort niemand trauen hippige Trancemucke zu spielen. Die Musik ist Hintergrund und zumeist wirklich ausgesprochen gut (Anderswo kennt der gemeine Norweger da Geschmacksverbrechenstechnisch wenig Grenzen). Das Mobiliar ist elegant oder wirklich bunt durcheinandergewürfelt, die Schaufenster sind grosz und niemand kommt und fragt ob man noch etwas möchte. In Norwegen wird nicht bedient. Was man möchte, holt man sich von der Theke. Und die Preise.. naja.. irgendwas ist ja immer, ne?! Aber sonst.. bitte mehr davon in Berlin!
Monthly Archive for Oktober, 2005
Urlaub ist ja immer gut um mal wieder neue Musik zu hören. Und so hab ich auch diesen Urlaub wieder (für mich) Neues entdeckt:
- Bright Eyes –
groszartigergroszer Poet - Kaizers Orchestra – wegen der Skandinavienquote
- Art Brut – Eine neue Band aus UK. Werden momentan auch so’n bissl gehypt. Hab sie in Trondheim life gesehen. Sehr lustiges Konzert. Zirka 150 Leute waren dort. In den ersten Reihen haben sich sogar Leute zur Musik bewegt.. In Berlin wär’ die Hölle losgewesen.
Es ist wunderschön, dich zu sehen
Blosz dazustehen, du bist so schön
Es ist angenehm, zu verstehen
Nicht wegzugehen
Es ist 16 Uhr als wir den Überlandbus nach Roros besteigen um eine Stunde später im Trondheimer Randgebiet wieder auszusteigen und einer Strasze in Richtung der Berge zu Fusz folgen. Neben uns ergieszt sich ein kleiner Bach, der im Fühjahr ganz offensichtlich deutlich mehr Wasser führt als in dieser herbstlichen Zeit. Grosze Felsbrocken und Steine liegen im Flussbett und zeichnen eine unheimliche Kargheit in die ringsum gün-bunten Bäume und Felder. Die Strasze wird kleiner, der Untergrund rauer und die Berge steiler. Wenig später ist ein Fortkommen mit einem normalen Personenkraftwagen undenkbar. Der nur noch teilweise befestigte Weg führt vorbei an hohen Felsvorspüngen und im Licht der untergehenden Sonne gelb schimmernden Sumpfwiesen, in den vereinzelt kleine und krumme Bäume stehen. Das sind die Wiesen, in denen Elche umherstapfen. Doch wir sehen keine. Kurz darauf ist der Weg zu Ende. Er verläuft in mehreren nur zu erahnenden Trampelpfaden deren Ziele ungewiss scheinen. Durch die Wiesen, die wir zuvor vom Weg aus sahen, führen nun unsere Pfade. Jeder Schritt wird vom Boden durch das Geräusch des matschigen Untergrundes quittiert. Die Schuhe sinken bei ungünstiger Wahl der Schritte mehrere Zentimeter in den Boden ein und werden vollständig von Wasser umschlossen. Auf die Wiese folgt ein Baumdickicht mit einem dicken Moosteppich auf dem hügeligen Untergrund. Ein See wird sichtbar als die Sonne schon fast vollständig hinter den Baumwipfeln verschwunden ist. Es ist ein kleiner See auf dessen gegenüberliegenden Seite ein kleines Licht erkennbar ist. Es ist das gelbe warme Licht von Kerzen, die durch ein kleines Fenster aus einer Blockhaushütte herausstrahlen. Diese Hütte ist das Ziel unserer Wanderung. Wir steigen in ein Boot, das scheinbar zufällig in Rand des Sees mitten im Wald abgelegt ist und setzten über. Im Westen färbt sich der Himmel orange-rot. Er spiegelt sich in den kleinen Wellen des Wassers. Kurz vor unserer Ankunft auf der anderen Seite des Teiches werden die Umrisse der Hütte erkennbar. Das Dach ist mit Gras bewachsen und nah am Wasser gebaut. Neben dem Haus wird eine Feuerstelle sichtbar. Daneben ein Bock zum Sägen und ein Holzstumpf zum Hacken. Wir gehen an Land, tragen das Boot aus dem Wasser und betreten die Hütte. Ein Wärmeschwall strömt uns entgegen als wir die Tür öffnen. Meine Brille beschlägt und ich kann für einige Sekunden nichts erkennten. Als die Gläser wieder klarer werden, sehe ich einen groszen Raum an dessen Tisch bereits einige Leute Platz benommen haben. In einer anderen Ecke steht eine dunkle rustikale Kommode. Darauf finden sich unzählige Werkzeuge, Benzinkocher, Flaschen und Gaslampen. Davor ein kleiner Ofen, dessen dicker Schornstein zum Dach hinausführt. Unterm Dach erkenne ich einen Hängeboden, der ausgelegt ist mit Matratzen. Eine kleine, wenig vertrauenserweckende Leiter führt dorthin.
Drauszen ist es mittlerweile Dunkel. Ein fast runder Mond erhebt sich über den Bäumen auf der gegenüberliegenden Seite des Sees und erzeugt eine längliche Spiegelung in den kleinen Wellen des Wassers. Es ist still.
That’s norway.
Die groessten Kritiker der Elche waren frueher selber welche.
Ich verabschiede mich nach Norwegen
)
sag mir wo kommen all die tiere her,
die tun als ob nichts wär,
so wie ich wünschen sie sich
nah bei dir
und wieso streckt sich hier jedes haus,
pfütze, strauch, nach dir aus
so wie ich wünschen sie sich
nah bei Dir.
wind geht dir durch haar,
der mond nicht unter
und die sonne bleibt an ihrer allerschönsten stelle stehn,
das ganze universum will sich mal in Deinen augen spiegeln sehn
und darum wird es jetzt nebelig,
die wolken sind wie ich,
unendlich wünschen sie sich
nah bei Dir
“aber danke fürs kaufen” - wenn da mal nicht ganz viel Tiefsinn drinsteckt.
Hoch über den Dächern der Häuser. Dort kreist er; der Scheisseadler. Manchmal greift er im Sturzflug an. Und heute hat er mich voll erwischt.
I can’t relax in Deutschland. Das ist der Name eines kürzlich erschienenen Samplers gegen (Pop) Nationalismus, als auch die Überschrift der gestrigen, terminlich und thematisch zum Tag der Deutschen Einheit passenden Veranstaltung in der Berliner Volksbühne. Das Programm sah gegen 18 Uhr eine Diskussion vor. Darauf folgend Konzerte von Kante, Kevin Blechdom sowie Spillsbury, später DJ-Sets u.a. von Turner und Chicks on speed.
Als die Diskussion gegen 18:30 Uhr beginnt, sind alle Stühle im Sternfoyer belegt. An den Seiten sitzen einige auf den Treppenaufgängen, im hinteren Teil stehen weitere ZuhörerInnen. Die Frauenquote im Publikum ist erfreulich hoch. Auf der Bühne sitzen sechs Männer und nur eine Frau.
Die Diskussion beginnt mit einem zehnminütigem Statement jedes Teilnehmers. Erste tiefe Graben werden deut(sch)lich. Neben dem Moderator sitzen 3 Befürworter dieses Samplers sowie zwei Kritiker, die beide ebenfalls dem linken Spektrum zuzurechnen sind. Die Diskussion ist interessant, dreht sich aber im Grunde, wie so oft in den letzten Jahren, um die antideutsche Argumentationslogik. Die Samplerbefürworter und Initiatoren sind der antideutschen Szene zuzuordnen, wie die Redebeiträge und Texte im Booklet der Compilation schlieszen lassen. Sie legen Ihren Standpunkt dar. Widerspruch kommt von den Kritikern, es geht immer hin und her, keine Seite zeigt Einsicht. Natürlich nicht. Wieso sollte auf der Bühne etwas passieren, was es seit Jahren in der deutschen Linken nicht gegeben hat? Ich versuche der Diskussion zu folgen. Oft ist das aufgrund abschweifender und verklausulierter Formulierungen schwierig. Die Diskussion bleibt auf der Stelle stehen, kommt keinen Schritt weiter. Später darf sich das Publikum äuszern. Fasst alle Publikumsbeiträge richten sich gegen die beiden Kritiker. Diese werden nicht müde ihren Standpunkt schlüssig zu erklären. Die Diskussionsrunde wird gegen 20.30 Uhr geschlossen und ich bin verwirrt. Beide Argumentationslinien erscheinen mir in weiten Teilen logisch. Es fällt mir schwer für mich selbst zu bestimmten, wessen Meinung ich vertreten kann.
Kurze Zeit später beginnen die Konzerte im groszen Saal der Volksbühne. Kante beginnen, mit einem Akustikset. Zu dritt sitzen sie auf der groszen Bühne an deren Hintergrund das Logo der I can’t relax in Deutschland – Initiative projiziert ist. Das Set ist recht kurz aber wunderschön. In diesem groszen Saal kommt die Melancholie der kantetypischen Musik mit der eindringlichen Stimme von Peter Thiessen wunderbar zur Geltung. Es folgt kurz darauf Kevin Blechdom mit Gästen. Ein zutiefst verwirrender, wenn auch unterhaltsamer Auftritt. Danach Spillsbury. Elektro-Power-Rock mit einer Sängerin, die leider viel zu leise ist, als das man etwas von den sicherlich interessanten Texten hätte verstehen können. Dennoch groszartig. Ich liebe Sitzkonzerte wie diese. Beste Sicht, absolut entspannt und wer zappeln mag, geht noch vorne. Im Sternfoyer folgen die DJ-Sets. Die meisten Anwesenden stehen unterhaltend oder gelangweilt in kleinen Güppchen mit Bier, Wein oder Sekt aus Plastikbechern herum. Ich gehe.
Rassismus darf wieder öffentlich praktiziert werden:
Die EU stellt Spanien 40 Millionen Euro zur Sicherung der Grenzanlagen vor Afrikanischen Flüchtlingen zur Verfügung.


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