es wird ein warmer abend sein

Es ist 16 Uhr als wir den Überlandbus nach Roros besteigen um eine Stunde später im Trondheimer Randgebiet wieder auszusteigen und einer Strasze in Richtung der Berge zu Fusz folgen. Neben uns ergieszt sich ein kleiner Bach, der im Fühjahr ganz offensichtlich deutlich mehr Wasser führt als in dieser herbstlichen Zeit. Grosze Felsbrocken und Steine liegen im Flussbett und zeichnen eine unheimliche Kargheit in die ringsum gün-bunten Bäume und Felder. Die Strasze wird kleiner, der Untergrund rauer und die Berge steiler. Wenig später ist ein Fortkommen mit einem normalen Personenkraftwagen undenkbar. Der nur noch teilweise befestigte Weg führt vorbei an hohen Felsvorspüngen und im Licht der untergehenden Sonne gelb schimmernden Sumpfwiesen, in den vereinzelt kleine und krumme Bäume stehen. Das sind die Wiesen, in denen Elche umherstapfen. Doch wir sehen keine. Kurz darauf ist der Weg zu Ende. Er verläuft in mehreren nur zu erahnenden Trampelpfaden deren Ziele ungewiss scheinen. Durch die Wiesen, die wir zuvor vom Weg aus sahen, führen nun unsere Pfade. Jeder Schritt wird vom Boden durch das Geräusch des matschigen Untergrundes quittiert. Die Schuhe sinken bei ungünstiger Wahl der Schritte mehrere Zentimeter in den Boden ein und werden vollständig von Wasser umschlossen. Auf die Wiese folgt ein Baumdickicht mit einem dicken Moosteppich auf dem hügeligen Untergrund. Ein See wird sichtbar als die Sonne schon fast vollständig hinter den Baumwipfeln verschwunden ist. Es ist ein kleiner See auf dessen gegenüberliegenden Seite ein kleines Licht erkennbar ist. Es ist das gelbe warme Licht von Kerzen, die durch ein kleines Fenster aus einer Blockhaushütte herausstrahlen. Diese Hütte ist das Ziel unserer Wanderung. Wir steigen in ein Boot, das scheinbar zufällig in Rand des Sees mitten im Wald abgelegt ist und setzten über. Im Westen färbt sich der Himmel orange-rot. Er spiegelt sich in den kleinen Wellen des Wassers. Kurz vor unserer Ankunft auf der anderen Seite des Teiches werden die Umrisse der Hütte erkennbar. Das Dach ist mit Gras bewachsen und nah am Wasser gebaut. Neben dem Haus wird eine Feuerstelle sichtbar. Daneben ein Bock zum Sägen und ein Holzstumpf zum Hacken. Wir gehen an Land, tragen das Boot aus dem Wasser und betreten die Hütte. Ein Wärmeschwall strömt uns entgegen als wir die Tür öffnen. Meine Brille beschlägt und ich kann für einige Sekunden nichts erkennten. Als die Gläser wieder klarer werden, sehe ich einen groszen Raum an dessen Tisch bereits einige Leute Platz benommen haben. In einer anderen Ecke steht eine dunkle rustikale Kommode. Darauf finden sich unzählige Werkzeuge, Benzinkocher, Flaschen und Gaslampen. Davor ein kleiner Ofen, dessen dicker Schornstein zum Dach hinausführt. Unterm Dach erkenne ich einen Hängeboden, der ausgelegt ist mit Matratzen. Eine kleine, wenig vertrauenserweckende Leiter führt dorthin.
Drauszen ist es mittlerweile Dunkel. Ein fast runder Mond erhebt sich über den Bäumen auf der gegenüberliegenden Seite des Sees und erzeugt eine längliche Spiegelung in den kleinen Wellen des Wassers. Es ist still.

That’s norway.

Dieser Beitrag wurde unter Allex&Nichts veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf es wird ein warmer abend sein

  1. ricardo sagt:

    klingt ja toll! ich bin schon gespannt auf die fotos. hoffentlich siehst du so schöne landschaften wie sie bei janca zu sehen sind. schönen urlaub noch.

  2. linda sagt:

    mmh, klingt schön…
    noch ne schöne zeit in norwegen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>