sei glücklich mach die augen zu

US-Armee verwechselt Verbündete mit Qaida-Kämpfern – 50 Tote

Panische Telefonate mit Kontaktleuten bei der US-Armee blieben vergebens: 50 mit den USA verbündete Iraker mussten sterben, weil die Airforce sie für Qaida-Kämpfer hielt. So jedenfalls die Version des Stammes-Scheichs. Die US-Armee widerspricht.

Ich mag diese Überschriften bei SpiegelOnline. Sie fassen kurz und knapp und in ungewohnter Deutlichkeit die Absurdität intersubjektiver Konstruktion zusammen. Das ist nicht die Schuld von SpiegelOnline, um mich einmal nicht zum weit verbreiteten SpOn-Bashing hinreißen zu lassen, aber hier lassen sich diese besonders gut nachvollziehen.

Es gibt also 50 Tote. 50 tote US-Verbündete. Das ist tragisch, keine Frage. Die Frage ist aber: Was wäre gewesen, wenn die 50 Iraker keine Verbündeten im Kampf gegen den Terror gewesen wären? Erstmal zeigt sich für mich darin die allgegenwärtige Konstruktion des „us and them“. Entweder man ist US-Verbündeter oder aber man ist Kämpfer des Terrorismus. Gehört man zu den Nicht-Verbündeten, wäre das vermutlich auch keine Meldung wert gewesen. Die 50 Toten werden zudem als Folge der Verwechselung dargestellt. Wäre sie nicht verwechselt worden, hätte es demnach kein Toten gegeben. In diesem Fall wären es dann vernichtete Terroristen oder sowas gewesen – aber offensichtlich keine Toten.

Dies kann man jetzt auch noch etwas weitertreiben. Wenn Vernichtete keine Toten sind, dann sind es dementsprechend auch keine Menschen. Denn vernichtete Menschen sind landläufig Tote. Wenn es keine Menschen sind, gelten für sie auch keine Menschenrechte oder ähnliches. So kann man dann auch ohne schlechtes Gewissen Krieg gegen etwas führen – gegen quasi Nicht-Menschen.

Schöne heile Welt.

Dieser Beitrag wurde unter Allex&Nichts veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>