Ja, ich muss es zugeben. Ich bin auch Fan. Ich bin auch stolz. Ich identifiziere mich auch mit etwas. Die Sonne und ich – wir sind ein gutes Team! Bei der Sonne bin ich der zweite, und nicht erst der zwölfte Mann und auch sonst ist die Sonne besser als Deutschland und sogar besser als dessen männliche Fußballnationalmannschaft – was ja aber irgendwie in letzter Zeit auch das gleiche zu sein scheint.
Zum Beispiel sprüht die Sonne immer vor Energie. Niemals zeigt sie Schwächen. Außerdem ist sie so schön groß, rund, warm und, man verzeihe mir an dieser Stelle den Sexismus, weiblich schön. Auf meine Sonne kann ich mich einfach immer verlassen. Sie ist nicht arrogant und steht meistens über den Dingen. Sie ist jetzt schon seit mehreren millionen Jahren erfolgreich und bisher konnte sie noch nichts so richtig aus der Bahn werfen. Ja, ich bin stolz auf meine Sonne.
Nebenbei ist es auch einfach praktischer, sich mit der Sonne zu identifizieren als mit Deutschland. Zum einen sieht sie es nun mal nicht so bekloppt aus mit Sonnencreme auf der Haut und einer Sonnenbrille auf der Nase rumzurennen als mit Deutschlandschminke im Gesicht und Designerfunktionsshirt überm Adidas-Pulli. Das Sonnendach meines Autos ist ebenfalls hübscher als diese Deppenfähnchen, die an einigen Autos so rumflattern und dort für einen zusätzlichen CO2 Ausstoß sorgen. Zudem ist die Sonne auch gerechter. Sie ist für alle da und grenzt niemanden aus. Hinzu kommt, dass die Sonne seit jeher eine große Freundin des Lebens auf der Erde ist. Deutschlands Rolle dagegen ist dazu im direkten Vergleich.. ähm.. naja.. sagen wir mal etwas zweifelhaft.
Ich fühl mich wohl mit meiner Sonne. Ich kann sie nahezu immer und auch außerhalb von Stadion und Public Viewing sehen und brauche weder Massenaufläufe, Patriotismus, schlagende Polizei und besoffene Hooligans dazu. Ich fühl mich einfach gut mit meiner Sonne. Meine Sonne und ich – wir gewinnen einfach immer. Und jetzt sage noch bitte jemand, es sei doch total unlogisch auf etwas wie die Sonne stolz zu sein..?!


ich finde, du vermischt in diesem zusammenhang dinge, die nicht zusammengehören. das ganze wirkt auf mich dann so, dass du zu provozieren versuchst, indem du bei deinen lesern einen konflikt erzeugst, der so nicht existiert. ich versuch das mal zu erklären:
beim fussball gibt es massenaufläufe, patriotismus, besoffene hooligans und polizisten, die darauf achten, dass letztere nicht übereifrig randalieren. und es gibt polizisten, die dies übereifrig tun, was nicht gut ist.
an sich ist fussball aber nicht mehr, als eine mannschaftssportart. eine sportart wie handball oder volleyball, nur etwas einfacher: fussball geht auch allein oder schon zu zweit und zum beispiel mit einer cola-dose, weshalb es mehr leute spielen, als z.b. handball. und deswegen sehen die es sich dann auch gern an, wenn andere es spielen.
aus meiner sicht ist es mit diesen leuten, wie ein bisschen wie mit dir und der musik. du hörst sie einfach gern und gehst deswegen auch gern zu jemandem hin, der sie dir vorspielt. und du triffst dort auch gern leute, die auch gern musik hören. auf konzerten; public listening eben. du magst aber kein heavy-, nu- und death-metal, weil dort leute hingehen, die sich gern schupsen und treten und ein wenig „druck“ ablassen wollen. deswegen sind nicht alle leute schlecht, die auf konzerten musik hören. beim fussball geht nicht jeder in die fan-kurve. und wenn er in die fankurve geht (oder beim konzert vorn steht) ist er immer noch nicht unbedingt ein hooligan. ich vermute, dir missfallen schlägereien auf konzerten ebenso wie die beim fussball. für mich gehören hooligans und fussball nicht zusammen. im gegenteil: der mannschaftssinn gehört zum fussball. es ist ebenso schön, wenn sich eine größere menge für die deutsche herrenfussballnationalmannschaft begeistert, wie ein paar zottlige calexico-fans, die deren t-shirts tragen und beim konzert hin- und herwippen. calexiko-fan sein ist nur etwas griffiger, als sich als fan der „herrenfussballnationalmannschaft“ zu outen. deshalb hat der fan das wort „schland!“ erfunden und brüllt es öfter mal laut raus.
schön bleibt das gemeinsame event trotzdem. und wem die „schland!“-brüller zu doof sind, findet auch intelligentere freunde, die fussball mögen, wenn er den welche hat. stattdessen auf die sonne zu setzen, finde ich zwar gut, aber nur, wenn du dich auf die sonne konzentrierst und nicht gegen die anderen freuden wetterst. es gibt nämlich auch die möglichkeit fussball UND die sonne gut zu finden. beides ist toll – weil man eine mannschaft hat, die man anfeuern und bejubeln kann UND weil die sonne scheint UND weil es freunde gibt, die das gleiche gut finden.
ich bin übrigens für italien gewesen. das sind die pappnasen, die gegen die spanier verloren haben. und weil die jetzt raus sind, bin ich für die russen. weil die nämlich gegen die spanier gewinnen können, gegen die meine pappnasen verloren haben. für deutschland bin ich auch. aber nur, wenn die spielen und ich das grad seh. meistens freu ich mich, wenn’s halbwegs spannend ist. und außerhalb von der wm und em schau ich gar kein fussball.
nichtsdestotrotz – die sonne ist viel schöner, besser, runder und schreit im zweifelsfall nicht kurz vor dem verlieren irgendwas von sieg und heil – nichts für ungut, dass habe ich diesen sommer vor meinem fenster schon öfter gehört…
die sonne ist einfach ein hit! und gratis dazu – nicht wie manche hits im internet.
fussball hingegen, nun gut, wenn nicht mehr die religion das opium liefert… – das heißt noch lange nicht, dass das recht auf freie meinungsäußerung außer kraft gesetzt wird – was bei bekennung zu fußballignoranz und -unwillen durchaus sehr schnell passiert.
ich mag fußball nicht – und stehe dazu!!!